Köln, Juni 2026 – Neue wissenschaftliche Erkenntnisse stärken die Bedeutung der Prostatakrebs-Früherkennung. Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) kommen in einer aktuellen Analyse der PROBASE-Studie zu dem Schluss, dass ein risikoadaptiertes Prostatakrebs-Screening mittels PSA-Test vergleichbare Vorteile bietet wie das seit vielen Jahren etablierte Mammographie-Screening zur Brustkrebsfrüherkennung.
„Die aktuellen Studiendaten bestätigen das, was wir in der täglichen Praxis erleben: Eine regelmäßige Prostatakrebs-Vorsorge kann entscheidend dazu beitragen, aggressive Tumoren frühzeitig zu entdecken und die Heilungschancen deutlich zu verbessern“, erklärt Dr. Stephan Neubauer, Leitender Urologe des Westdeutschen Prostatazentrums.
Die Ergebnisse wurden auf dem Jahreskongress der Europäischen Vereinigung für Urologie (EAU) vorgestellt und basieren auf den Daten von mehr als 39.000 Männern aus der PROBASE-Studie. Zum Vergleich wurden die Daten von mehr als 2,8 Millionen Frauen ausgewertet, die am deutschen Mammographie-Screening teilgenommen hatten.
Die Studie zeigt außerdem, dass moderne Vorsorgekonzepte heute deutlich präziser sind als noch vor einigen Jahren. So erfolgt bei auffälligen PSA-Werten nicht automatisch eine Gewebeentnahme. Stattdessen wird durch eine sorgfältige Risikobewertung und den gezielten Einsatz der Magnetresonanztomographie (MRT) die Zahl unnötiger Biopsien niedrig gehalten. Laut Studie mussten sich nur 0,8 bis 2,4 Prozent der untersuchten Männer einer Biopsie unterziehen – ein Wert, der dem Brustkrebs-Screening mit 1,1 Prozent sehr ähnlich ist.
Trotz häufiger diskutierter Bedenken hinsichtlich einer Überdiagnose belegen die Studienergebnisse, dass der Anteil langsam wachsender, möglicherweise nie gefährlich werdender Tumoren beim PSA-Screening nur geringfügig höher lag als beim Brustkrebs-Screening. In der PROBASE-Studie wurden 26 bis 31 Prozent der entdeckten Prostatakarzinome als niedrig aggressiv eingestuft, verglichen mit 22 Prozent beim Mammographie-Screening.
Hinzu kommt, dass nicht jeder entdeckte Tumor sofort behandelt werden muss. Bei Prostatakarzinomen mit einem niedrigen Risiko hat sich die sogenannte Aktive Überwachung (Active Surveillance) etabliert. Dabei wird die Erkrankung engmaschig kontrolliert und erst dann behandelt, wenn Anzeichen für ein Fortschreiten vorliegen. Auch die Therapieoptionen beim lokal begrenztem Prostatakrebs haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. So stehen neben der operativen Entfernung der Prostata heute hochpräzise Strahlentherapien, wie die Brachytherapie, zur Verfügung, die bei gleicher oder sogar besserer Wirksamkeit die Nebenwirkungen deutlich reduzieren.
„Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass moderne Vorsorgekonzepte einen sehr guten Ausgleich zwischen früher Prostatakrebsdiagnose und der Vermeidung unnötiger Eingriffe ermöglichen. Männer sollten diese Chance nutzen und sich frühzeitig beraten lassen“, so das Fazit von Dr. Neubauer.

Carlsson SV, Krilaviciute A, Albers P et al: PROBASE Study Group. Risk-adapted Prostate Cancer Screening Achieves Mammography-like Benefits: Evidence and Implications for Europe. Eur Urol. 2026 Mar;89(3):193-195.